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18.04.2012 / Report: UPC Cablecom gegen Swisscom / Adrian Scherrer

BOXENKAMPF

Der Wettbewerb um die Vorherrschaft im Digital-TV-Markt verschärft sich. UPC Cablecom und Swisscom liefern sich mit neuen Angeboten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Ein Ausblick auf ihre Pläne.

Noch ist das Ende des analogen Kabelfernsehens in der Schweiz nicht absehbar. Etwa eine Million Haushalte nutzen es. Doch das Bundesamt für Kommunikation sorgt als Regulierungsbehörde des Fernsehmarktes bereits vor. Es hat eine Revision der Radio- und Fernsehverordnung gestartet, die unter anderem zum Ziel hat, die analoge Verbreitungspflicht für Kabelnetze aufzuheben. Diese mussten bisher bestimmte Programme zwingend verbreiten – zum Beispiel jene der SRG, aber auch 3sat, Arte und konzessionierte Lokalsender. Nun soll diese Verbreitungspflicht im analogen Bereich schrittweise reduziert und mittelfristig aufgehoben werden. Dadurch werden die Kabelnetze frei, ihr analoges Programmangebot einzustellen, wenn es dereinst nicht mehr nachgefragt werden sollte.

 

In der Zwischenzeit geht der Konkurrenzkampf unter den verschiedenen Anbietern von Digital-TV in eine neue Runde. Denn attraktive Neuerungen wie hochauflösendes oder zeitversetztes Fernsehen sind zwangsläufig digital. Das Interesse vieler Neukunden daran ist gross. Trotzdem wird der Wettbewerb härter. Weil inzwischen nämlich gegen zwei Drittel aller Haushalte in der Schweiz ihre TV-Signale digital empfangen, ist die Zahl potenzieller Neukunden geschrumpft. Wer noch Neukunden gewinnen will, muss die weniger technikaffinen Haushalte von den Vorzügen des digitalen Fernsehens überzeugen.

 

Gleichzeitig möchten sich immer mehr Anbieter ein Stück vom digitalen Kuchen abschneiden. Zu den grossen Wettbewerbern UPC Cablecom und Swisscom ist vor kurzem auch Sunrise mit einem eigenen ­TV-Angebot gestossen. Alle drei stehen zudem in Konkurrenz zu alternativen Verbreitungswegen. Zum Satellitenempfang gesellen sich heute auch die Möglichkeiten des Internets. Seien es smarte Fernseher oder Online-Dienste wie Zattoo und Wilmaa: Fernsehen kann man über ­viele Wege.

 

Fernsehen ohne Uhrzeit

Diese Ausgangslage führt dazu, dass die Anbieter digitaler TV-Pakete mit harten Bandagen und riesigen Werbebudgets um jeden Kunden kämpfen. Eine neue Studie der Publica Data AG zeigt deutliche Verschiebungen im Markt. Innerhalb von zwei Jahren hat die Zahl der Haushalte, die Fernsehen via Kabelnetz empfangen, um 17 Prozent abgenommen. Nur schon deswegen befindet sich das analoge Fernsehen auf dem Rückzug. Denn die Kabelnetze verbreiten als einzige noch analoge Signale. Schon seit Anfang 2008 ist die terrestrische Verbreitung über die Antenne vollständig digitalisiert. Und Ende April werden auch die verbliebenen analogen Sender auf den TV-Satelliten abgeschaltet.

 

Zwar nimmt bei den Kabelnetzen die Zahl der Digital-TV-Kunden rasant zu. Allein UPC Cablecom, der grösste Kabelanbieter der Schweiz, verzeichnete innerhalb eines Jahres eine Zunahme um 22 Prozent. Aber deutlich stärker ist Swisscom gewachsen: Um satte 44 Prozent stieg die Zahl der Swisscom-TV-Kunden gegenüber dem Vorjahr. Das Telekomunternehmen liefert sich mit UPC Cablecom zurzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Marktführerschaft.

 

Momentan hat Swisscom die Nase vorn. Ihre TV-Box ist einfach und komfortabel zu bedienen. Neuerdings kann sie auch mit Tablet-PCs vernetzt werden, die als bequeme Fernbedienung eigesetzt werden. Swisscom TV bietet dank der Kooperation mit Teleclub exklusive Sportinhalte auf Abruf und ein Video-on-Demand-Angebot mit über 2000 Filmen. Bereits angekündigt hat Swisscom die Einführung des zeitversetzten Fernsehens. Ohne selber eine Aufzeichnung programmieren zu müssen, wird man zu einem beliebigen Zeitpunkt auf jede Sendung der vergangenen 24 Stunden von rund 70 Kanälen zugreifen können. Swiss­com zeichnet das gesamte Programm auf und stellt es zum Abruf bereit. Dies nennt sich „Replay TV“ und wird bis zum Sommer schrittweise für alle Kunden des umfangreichsten Pakets, „Swisscom TV plus“, aufgeschaltet – auch in HD. Die günstigeren Basic- und Start-Angebote enthalten kein „Replay TV“.

 

Die Settop-Box von Swisscom TV lässt sich bereits heute über Smartphones- und Tablet-Apps steuern – auch von unterwegs.

 

Schneller war Sunrise: Das jüngst lancierte Sunrise TV verfügt bereits über zeitversetztes Fernsehen. Hier heisst die Funktion „ComeBack TV“ und bietet die letzten 28 Stunden von 40 Sendern – vorerst allerdings nur von Programmen in Standardauflösung. In den übrigen Funktionen gleicht Sunrise TV den Angeboten seiner Mitbewerber. Es bietet rund 160 Sender, einen gut ausgebauten elektronischen Programmführer, der das Zappen erleichtert, sowie Video-on-Demand mit rund 1500 Titeln. Im Basispaket enthalten sind eine Reihe von HD-Sendern, für die man bei Swisscom extra bezahlen muss.

 

UPC Cablecoms Trümpfe

Mit einem Grundproblem kämpfen sowohl Sunrise TV als auch Swisscom TV, weil sie ihre Fernsehsignale über das Telefonnetz verbreiten. Dieses ist noch nicht überall so gut ausgebaut, dass HD-Qualität verfügbar ist. 80 Prozent der Haushalte können zwar HD-Signale empfangen. Aber beide Anbieter stossen an Kapazitätsgrenzen, wenn mehr als ein HD-Programm gefragt ist – zum Beispiel, um eines aufzuzeichnen, während ein anderes angeschaut wird.

 

Die Settop-Box „Horizon“ von UPC Cablecom soll vier Fernseher gleichzeitig mit HD-Signalen versorgen können.

 

Dieses Problem kennen die Kabelnetze nicht, weil sie über mehr Bandbreite verfügen. UPC Cablecom will nun diesen Trumpf aus­spielen und die Marktführerschaft beim Digital-TV zurückerobern. An einer Medienorientierung stellte sie vor wenigen Wochen die neue Settop-Box „Horizon“ vor. Sie wird in der zweiten Hälfte dieses Jahres auf den Markt kommen. Dank sechs Tunern kann die Box bis zu vier angeschlossene Geräte gleichzeitig mit HD-Signalen versorgen. Geräte wird man auch drahtlos über ein WLAN-Netzwerk anschliessen können – zudem PCs, Tablets und Smartphones. Man benötigt im Gegensatz zu heute also künftig nur noch ein einziges Digital-TV-Abo für alle Geräte im Haus.

 

Als offene Plattform ermöglicht die „Horizon“-Box Apps von Dritt­anbietern, die Fernsehen und Internet enger verzahnen. Da sie inter­national in vielen Ländern eingeführt wird, in denen der Cablecom-Mutterkonzern Liberty Global tätig ist, darf man davon ausgehen, dass solche Apps auch tatsächlich kommen werden. Noch muss man sich aber gedulden. Denn die Schweiz und die Niederlande sind die ersten Länder, in denen „Horizon“ auf den Markt kommt.

 

Kaum Preisunterschiede

Zusammen mit „Horizon“ will UPC Cablecom wie Swisscom und Sunrise ebenfalls zeitversetztes Fernsehen einführen. Bereits ausgebaut wurde das Video-on-Demand-Angebot, das neu auch US-Serien enthält. So dürften sich die Digital-TV-Angebote der drei Anbieter bis Ende dieses Jahres inhaltlich annähern. Das Komplettpaket wird bei allen um die 180 Programme, Fernsehen auf Abruf, Video-on-Demand und Aufzeichnungsfunktionen umfassen. Nuancen ergeben sich aus unterschiedlichen Programmangeboten – zum Beispiel mehr HD-Programme bei Sunrise TV oder zusätzliche türkische Sender bei Swisscom TV. Auch preislich liegen die Angebote nah beieinander, zumal Preisvergleiche wegen der schnell wechselnden Sonderangebote ex­trem schwierig sind. So oder so fährt man immer am günstigsten, wenn man Fernsehen, Internet und Telefonie aus einer Hand bezieht.

 

Sunrise bietet noch kein günstiges Einsteiger-Angebot an. Swisscom hat hingegen eines lanciert, das als „Swisscom TV start“ einen vergleichbaren Umfang wie das Mini-Paket von UPC Cablecom hat. Beide bieten gut 50 Sender, einige auch in HD, aber keine Zusatzfunktionen. Auch diese Einsteiger-Offerten sind sich preislich sehr ähnlich, wenn man die Grundkosten für den Kabel- oder den Telefonanschluss mitrechnet, der dafür Voraussetzung ist.

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