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17.04.2012 / Test: USB-DA-Wandler / Bernhard Rietschel

WANDLUNGS-FÄHIG

Digital-Analog-Converter mit USB erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Immer mehr Konsumenten verlagern Musik von CD auf Festplatte und nutzen PC oder Notebook als Abspieler. Externe DACs bringen zum Komfort den audiophilen Klang.
 

 

Auf dem Rechner, via Satellit, im CD-­Regal – überall wartet digitale Musik ­darauf, von diesen DA-Wandlern veredelt zu ­werden. Dass die vier Testkandidaten ihre Aufgabe auf höchst individuelle Weise lösen und dabei auch noch sinnvolle Ausstattungs-Extras mitbringen, machte diesen Vergleich umso spannender. Das erstaunlich gute Preis-Leistungs-Verhältnis der Geräte – allen voran des Asus Essence One – sollte nicht davon ablenken, dass man Musikspieler (letztlich ist ein DAC nichts anderes) primär nach dem Klangcharakter aussuchen sollte. Hier bietet das Testfeld von klassisch-neutral (Fostex) bis hin zu füllig-fein (King Rex), warm-spritzig (Peach­tree) und wuchtig-trocken (Asus) jede erdenkliche Spielart. Aber auch auf die geeignete Ausstattung sollte man ein Auge werfen.

 

 

Asus Xonar Essence One

Wer den Essence One auspackt, erlebt unabhängig von der Jahreszeit sein ganz privates Weihnachten: Der Wandler reist in einer edlen mattschwarzen Papp-Schatulle mit Magnetverschluss und goldglänzendem Löwen-Signet an seinen Bestimmungsort, die serienmässig beiliegenden Messdiagramme akkurat gefaltet und mit Goldkordel gebunden wie eine Glückwunschkarte.

 

Vollwertige Digitalvorstufe: Der ­Xonar Essence One von Asus gefällt mit ­bombenfester Verarbeitung und treibt dank niederohmigem Ausgang auch Endstufen oder Aktivboxen direkt an.

 

Auch die Hardware verrät vollen Einsatz: Das massive Aluprofil-Gehäuse und der schöne Ringkerntrafo erklären schon einmal das Gewicht von fast 3 Kilogramm. Noch beachtlicher ist die Chip-Bestückung. Das fängt beim USB-Eingang an, den ein topmoderner C-Media CM6631 betreut. Dieses Interface kapituliert auch vor High-Speed-Signalen bis 192 Kilohertz Samplingrate und 32 Bit Wortbreite nicht. Und arbeitet dabei selbstverständlich asynchron, steuert den Bitstrom also eigenmächtig stets so, dass geringstmöglicher Jitter resultiert.

 

Als Wandlerchip dient der teure 32-Bitler PCM-1795 von Burr-Brown, und zwar gleich im Doppelpack. Damit Digitales jeglicher Abtast­rate stets in Bestform an den Digital-Analog-Konvertern (DAC) erscheint, haben die Entwickler einen Sharc-Signalprozessor vorgeschaltet und mit eigenen Upsampling-Algorithmen programmiert. Nach den Wandlern folgt eine Luxus-Analogstufe mit insgesamt neun Operationsverstärkern. Die Chips sind allesamt besockelt, was dem Besitzer Klangkosmetik durch Op-Amp-Tausch erlaubt. Auf gleiche Weise frisierbar sind die OP im schlagkräftigen Kopfhörerausgang.

 

Die IC-Sockel erhöhen zwar den Spielwert für Bauteile-Freaks, ändern aber nichts daran, dass wir die Grundausstattung bewerten mussten. Die klang bereits umwerfend: Blitzsauber, sehr weiträumig und enorm dynamisch spielte der DAC vor allem über seine symmetrischen Ausgänge, und vor allem dann, wenn die Daten via USB ankamen. Aber auch über die anderen Eingänge (zur Verfügung stehen ein Koax- und ein optischer Input) klang der Asus so klar und wuchtig, dass die Tester schon mehrfach teurere Wandler aufbieten ­mussten, um ihn in die Schranken zu weisen. Preislich ähnliche Kollegen wie etwa der ­Musical Fidelity M1DAC konnten sich immerhin als charmante, mehr Grundtonwärme verströmende Alternative empfehlen – wenn etwas am Klang des Asus polarisierte, dann war es seine eher nüchterne, an Studio-DACs à la Benchmark oder Antelope erinnernde Tonalität.

 

 

Wie Letzterer lässt sich auch der Asus dank regelbaren Outputs direkt an Aktivboxen oder Endstufen betreiben. Schade nur, dass sich das Testgerät nicht mit Mac-Rechnern zu vertragen schien.

 

Fostex HP-A3

Die USB-Strippe zum PC beschert aktuellen Wandlern eine neue und attraktive Musikquelle, verleiht ihnen in der Praxis aber auch eine gewisse Unberechenbarkeit. Drei der vier Kandidaten überraschten im Laufe der Hörtests dann auch irgendwann mit mehr oder weniger ­exzentrischem Verhalten. Ganz frei von solchen Merkwürdigkeiten war im Test nur der Fostex HP-A3. Seine vorbildliche Betriebssicherheit verdankt dieser kompakte USB-DAC mit integriertem Kopfhörerverstärker möglicherweise einer Eigenschaft, die bei Klangfreunden eher Argwohn auslöst: Statt sich offen für eine ganze Liste von Abtast­raten zu zeigen, legt er sich auf ­eine einzige fest. 96 kHz muss der Rechner liefern – wie, das ist sein Problem.

 

Ideal für portable Anwendungen: Der Fostex HP-A3 bezieht seine Versorgungsspannung via USB beispielsweise ab einem Notebook.

 

Dass der Nutzer von der Besonderheit unter Umständen gar nichts mitbekommt, hat zwei Gründe: Erstens passen PCs und Macs – beziehungsweise die darauf laufenden Abspielprogramme – ihre USB-Samplingrate automatisch an die Vor­gaben des angeschlossenen Geräts an. Wandler, die sich wie der Fostex nur mit einer einzigen unterstützten Rate anmelden, bekommen abweichende Abtastfrequenzen also ohne weitere Einstell­arbeiten automatisch zugespielt. Zweitens muss diese Abtastratenwandlung nicht unbedingt klangschädlich sein – wenn sie denn entsprechend sorgfältig erfolgt. Manche Software-Player, etwa das auf dem Test-Mac verwendete ­Decibel, verwenden hierfür eigene, ­besonders aufwendige Algorithmen.

 

Obigem Sachverhalt kam der Autor erst auf die Spur, als er nach Gründen für den verblüffend guten Klang des HP-A3 fahndete. Extrem ausgewogen, substanzreich, aber ohne übertriebene Wärme, mit eleganten, ausdrucksstarken Mitten und einem trockenen, tief reichenden Bass, schien der japanische Klein-DAC einen Mittelweg zwischen Profi-Präzision und audiophiler Verklärung zu suchen – und diesen auf wundersame Weise absolut sicher zu beschreiten. Auch die Tatsache, dass der Fostex kein eigenes Netzteil besitzt, sondern seinen 5-Volt-Lebenssaft aus der notorisch „schmutzigen“ USB-Leitung zapft, hätte einen so überzeugend stabilen Auftritt nicht erwarten lassen. Die Stabilisierung der USB-Spannung in einer „PLL Power Supply“ getauften Schaltung, die einen üppigen Teil der kleinen Platine beansprucht, sowie die grosse Zahl hochwertiger Kondensatoren scheinen zu wirken.

 

 

Ähnlich wie über seine Cinch-Ausgänge überzeugte der HP-A3 auch am Kopfhörerausgang mehr mit Ausgewogenheit als mit extremer Kraft, Dynamik oder Grösse – eine feine, musikalische Balance, die dank geregelten Cinch-Ausgängen auch an Aktivboxen voll überzeugt.

 

 

King REX UD-384 

Wie sein Name schon andeutet, ist der UD-384 ein Technik-Gipfel­stürmer: 384 kHz beträgt die höchste von dem koreanischen Edel-Mini unterstützte Abtastrate. Das ist schon mal ­eine Leistung, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre, zumal die Wortbreite des übertragenen PCM-Signals bis zu 32 Bit betragen darf.

 

Durchdachtes Layout mit kurzen Signalwegen und fehlende Netzteil-Störeinflüsse verhelfen dem King Rex UD-384 zu audiophilem Klang.

 

Dass es jemals nennenswert Musik in solch immenser Auflösung ­geben wird, ist unwahrscheinlich. Im (auf dem Achtfachen der CD-­Abtastrate 44,1 kHz basierenden) Format 352,8/24 sind immerhin eine Handvoll Aufnahmen etwa von 2L Records verfügbar. Was wiederum nichts bringt, weil der UD-384 – anders als etwa der Wandler M2Tech Young – ausgerechnet 352,8 kHz nicht unterstützt.

 

In den etwas weniger esoterischen Gefilden bis 192 Kilohertz leistet sich der Koreaner dann aber keine Lücke mehr und wandelt via USB alle Abtastraten der 44,1er-Familie (44,1, 88,2, 176,4 kHz) sowie der ­48er-Familie (48, 96, 192 kHz) und mithin alles, was dem Hi-Resolution-Fan im wirklichen Leben begegnen kann. Neben USB gibt es keine ­weiteren Dateneingänge, wohl aber einen Koax-Ausgang, der das per USB entgegen­genommene Material digital weiterreicht. So lässt sich beispielsweise auch ein vorhandener Edel-DAC, der mangels USB etwas den Anschluss verloren hat, aus dem Rechner füttern.

 

Welchen Wandlerchip der King Rex verwendet, verraten die Entwickler nicht – seine Bezeichnung haben sie, ebenso wie die des USB-Controllers, säuberlich abgekratzt. Die Auswahl ist aber gerade bei Letzterem so klein, dass Neugierige die Identität vermutlich leicht herleiten könnten. Dem Rechner gegenüber gibt sich der 384 jedenfalls mit seinem offiziellen Namen zu erkennen, wobei das Audio-Setup-Fenster im Mac-Betriebssystem auch korrekt die unterstützten Abtastraten ­auflistet. Windows-Nutzer müssen dazu zunächst einen mitgelieferten Treiber installieren, bei Apple gilt seit OS X 10.6 auch für Extrem-­Samp­lingraten Plug and play.

 

Der puristische Ansatz – nur ein Eingang, wenige, hochwertige Bauteile auf kompaktestem Raum – scheint sich klanglich zu lohnen: Mit dem UD-384 begann die Musik seidenweich zu fliessen und sich zugleich kraftvoll strukturiert vor den Hörern aufzubauen. Meist gibt es das eine nur auf Kosten des anderen: Mit der Dynamik kommt etwas Körnigkeit, mit der Eleganz ein Hauch Lethargie. Der King Rex brachte dagegen alles wunderbar in Einklang und präsentierte ein besonders farbenprächtiges, plastisches Bild der Musik, ohne sich ins zu Bunte oder Skizzenhafte zu verirren.

 

 

 

Peachtree DACIT

Wie alle bisherigen Peachtrees basiert auch der kleine Dacit auf einem Wandler-IC von ESS. In diesem Fall ist es der Sabre 9022 – ein vergleichsweise preiswerter, hochintegrierter, für Entwickler besonders komfortabler Chip, der eine vollständige Ausgangsstufe besitzt und durch seine interne, symme­trische Spannungsversorgung ohne Koppel-Kondensatoren auskommt. Man kann den 9022 also direkt an die Ausgangsbuchsen hängen, was Peachtree auch tut. Lediglich zwei Mute-Relais finden sich noch im analogen Signalweg.

 

 

 

Einfacher gehts nicht: Direktwahltasten für die drei Eingänge und Einschalttaste. Die Ausstattung des Dacit ist rudimentär.

 

Die Wahl zwischen USB-, Koax- und op­tischem Eingang kann beim bisher kleinsten „Pfirsichbaum“ sogar fern­bedient erfolgen. Die beiden letzteren Eingänge schlucken jeweils Sampling­raten bis 192 kHz, USB geht bis 96 kHz, unter ominöser Auslassung von 88,2 Kilo­hertz. Riding with the King von B. B. King und Eric Clapton etwa verwendet in der DVD-Audio-Version diese Abtastfrequenz. Was aber nicht heisst, dass sich das Album nicht abspielen lässt – der Rechner schickt die Daten dann einfach mit der halbierten Rate, ­also im CD-Standard 44,1 kHz.

 

Den angesagten Asynchronous-Modus beherrscht das USB-Interface des Dacit nicht. Wie schon die sehr guten Hörergebnisse des Fostex HP-A3 verraten, ist das auch nicht zwingend nötig, solange man andere Wege nutzt, um die via USB stets etwas wackelig eintreffenden Daten vor der Wandlung wieder in Reih und Glied zu sortieren. Im Peachtree sorgt der ESS mit seiner integrierten Neutaktung selbst für Ordnung, und zwar so gründlich, dass seine Jitterwerte insbesondere am USB-Eingang verschwindend gering ausfallen.

 

Im Hörraum konnte sich dann auch niemand über mangelnde Konturenschärfe beschweren – gerade im Hochtonbereich, wo es ausklingende Becken, feine Raum­informationen und charaktergebende Obertonspektren auseinanderzudividieren gilt, arbeitete der Peachtree mit absoluter Präzision – die in einem fülligen, warmen oberen Bass ihr ­adäquates Gegengewicht fand. Bot der Klang des Asus via USB noch etwas mehr Tiefbass, Energie und Format, hielt der Peachtree mit einem über alle drei Eingänge noch konsistenteren Charakter dagegen – unabhängig davon, wie die Daten ankamen, musizierte er stets samtig, entspannt und genussbetont.

 

Die einzige Einschränkung betraf stark komprimierte, hoch ausgesteuerte (Rock-)Aufnahmen, die im Hochton etwas blondiert wirken konnten. Vermutlich verschafft sich hier ein ganz knapp vor der Aussteuerungsgrenze (−0,5 dB) einsetzendes Clipping Gehör, das ­sonst nicht weiter auffiel.

 

 

 

Weitere Infos im Web:

http://www.asus.com
http://www.audio-bauerpro.ch
http://www.reson.ch
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