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18.05.2012 / Musiktipps: SACD-Rezensionen / Attila Csampai

MAHLER AUDIOPHIL

Wie kaum ein anderer Komponist fordert Gustav Mahler Dirigenten wie Tontechniker zu Höchstleistungen. Drei neue Einspielungen auf SACD bieten Hochgenuss in jeder Beziehung.
 

Der Beginn der grossen Mahler-Renaissance vor etwa 52 Jahren verdankt sich auch der stereophonen Aufnahmetechnik. Schon wenige Jahre später jubelte der Wiener Musiksoziologe Kurt Blaukopf, dass Mahlers Sinfonien durch die Stereo-Schallplatte „erlöst“ worden seien. Denn erst sie machte es möglich, die komplexe „Vielstimmigkeit“ von Mahlers Partituren realistisch und so „deutlich“, wie der Komponist es wünschte, wiederzugeben. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde Gustav Mahler (1860–1911) dann auch zum Propheten der Mehrkanal­technik, die höchste Auflösung und dreidimensionale Akustik hinzufügte. Mittlerweile hat die Mahler-Diskografie die 3000er-Marke erreicht, und noch immer gilt er in der Klassikszene als die Herausforderung für ambitionierte Dirigenten, Orchester und Tonmeister.

 

Dem Engländer Jonathan Nott fehlen noch zwei Folgen zur Voll­endung seines Mehrkanal-Zyklus auf Super-Audio CD beim Schweizer Label Tudor, der bislang beste Kritiken erhielt für seine akribischen, die negativen Tonfälle nicht aussparenden Mahler-Interpretationen mit den auf hohem Niveau spielenden Bamberger Symphonikern. Gerade erschien die enigmatische, nächtlich-bizarre Siebte, und auch hier wirft der 49-jährige Brite einen strengen, prüfenden Blick hinter die romantische Kulisse von Mahlers dunkelster Partitur, wobei er sich nicht scheut, auch deren Widersprüche und emotionale Gefährdungen freizulegen. Die ungeheure Modernität des Werks wird so deutlich – als Zustandsbeschreibung einer nächtlichen Metamorphose, die bereits den Sprengsatz einer ganz neuen, vorwärtsweisenden Ästhetik in sich birgt.

 

 

Als vierte Folge seines Kölner Mahler-Zyklus legt Gürzenich-Chef Markus Stenz seine ähnlich polyphon aufgefächerte, schlanke Version von Mahlers hypertropher Dritter gleichfalls auf SACD vor, die in einer aufsteigenden Linie Mahlers pantheistische Weltsicht ausbreitet, von der unbelebten Natur des Anfangs bis zur allumfassenden göttlichen Liebe im abschliessenden Adagio. Auch Stenz gibt sich Mühe, diesen gewaltigen musikalischen Schöpfungsakt klar und zielgerichtet durchzuzeichnen und bei aller Frische und Impulsivität objektiv zu bleiben, also das Grüblerische und Emotionale zurückzudrängen zugunsten der strukturellen Komplexität und der grossen erzählerischen Linie: So gelingt ihm hier eine sehr geschlossene, prägnante, jugendlich frische Aufführung, die ein lebendiges Bild zeichnet von Mahlers Naturliebe.

 

Mit Kult-Tonmeister

Vor fünf Jahren übernahm der österreichische Dirigent Manfred Honeck das traditionsreiche Pittsburgh Symphony Orchestra, und für seinen audiophilen Mahler-Zyklus auf SACD konnte er Japans Kult-­Tonmeister Tomoyoshi Ezaki verpflichten. Als Folge 4 erschien jetzt die wortlose, albtraumhaft zerklüftete Fünfte, die durch das Adagietto weltberühmt wurde. Und auch hier bleibt der 53-jährige Wiener seiner eher elegischen Grundlinie treu, meidet vordergründige Effekte und achtet darauf, die innere Komplexität des Werks analytisch auszuleuchten und zugleich in einen ruhig fliessenden, mächtigen Klangstrom einzubinden. So wirkt die wüste Dramatik der ersten beiden Sätze etwas gedämpft, und auch die restlichen drei Sätze durchweht die Grundstimmung einer milden „wienerischen“ Lebensmüdigkeit. Doch selten klang der mahlersche Weltschmerz so schön, so bis ins letzte Detail ausdifferenziert, und dies auch dank den perfekten Mikrofonierungskünsten des japanischen Klangdesigners. Ezaki, der vor zehn Jahren zu den Pionieren der Mehrkanaltechnik zählte, ist jetzt aus Überzeugung im hochauflösenden DSD-Format zur guten alten Stereotechnik zurückgekehrt, erzielt damit aber phänomenale Tiefenstaffelung, atemberaubende Transparenz und eine schöne Raumanmutung. Jetzt macht er sich zum Vorreiter von reinen Zweikanal-SACDs und folgt damit einem in Highend-Kreisen schon seit Jahren praktizierten Trend: In diesen Puristen-Zirkeln war Surround ohnehin nie ein ernsthaftes Thema.

 

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