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01.05.2012 / Test: Samsung UE55ES8090 LED Fernseher / Florian Goisl

BEFEHLS-EMPFÄNGER

Samsung hat seine LED-TV-Oberklasse überarbeitet: Der neue 55-Zöller sorgt mit innovativer Sprach- und Gestensteuerung für Aufsehen. Aber auch Heimkino-Enthusiasten werden vom lichtstarken und bewegungsscharfen 3D-Bild des UE55ES8090 begeistert sein.
 

Als letzten Herbst das Gerücht aufkam, Apple arbeite an einem Fernseher, der sich wie ein iPhone oder iPad mit Sprache und Gesten steuern lässt, waren die etablierten TV-Hersteller aufgeschreckt. Samsung kommt nun dem Apfel-Imperium zuvor und präsentiert den ersten Fernseher, der auf die Worte und Handbewegungen seines Besitzers hört (siehe auch den Trend-Report in Home Electronics 4/2012).

 

Ausstattung

An klassischen TV-Stellen hat Samsung dagegen gespart: Statt vier HDMI-Eingängen gibt es nur noch drei, der Standfuss ist nicht mehr drehbar, und die Bildformat-Taste fehlt. Sonst gefallen Ausstattung und Lieferumfang jedoch. Zum TV gehören neben einer Touchpad-Zweitfernbedienung zwei Shutterbrillen. Der integrierte Satelliten-Tuner unterstützt sowohl Einkabel-Anlagen als auch Rotor-Antennen.

Erweitert haben sich die Social-Media-Spielereien: Per Webcam auf dem Rahmen lassen sich Videotelefonate via Skype führen, über ein Samsung-Benutzerkonto kann man Fotos und Videos zwischen TV und Smartphones austauschen.

Wer sich von der Webcam beobachtet fühlt, kann das Objektiv nach innen drehen. Zur Unterhaltung stehen eine Menge Apps parat. Highlights sind Youtube-Videos in HD und 3D sowie die Explore-3D-App, welche 3D-Videos in Blu-ray-Qualität auf den Schirm holt. Mit HbbTV sind die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender an Bord. Der Mediaplayer lässt sich per USB- und DLNA-Netzwerk-Stream füttern, spielt viele Videoformate und bietet eine Formatumschaltung. Möglichkeiten zur Wiedergabe vom PC und Handy eröffnen sich über Wi-Fi Direct (siehe Home Electronics 4/2012, „Technik: einfach erklärt“) und MHL. Video-Enthusiasten begeistern sich für die Bildregler: An der Farbtemperatur lassen sich Korrekturen für zehn Helligkeitsbereiche vornehmen, das Farb­manage­ment erlaubt die Korrektur von Farbort und -pegel bei sechs Farben, fürs Gamma stehen sieben Kurven bereit. Zudem gibt es Testbilder und Farbfilter.

 

Bedienung klassisch

Das übersichtliche Bildschirmmenü ermöglicht eine intuitive Bedienung der Grundfunktionen. Die beleuchtete Fernbedienung gefällt. Allerdings hat Samsung ausgerechnet die Format-Taste eingespart. Zum Glück funktioniert das Auto-Format in den meisten Fällen reibungslos. Die Senderverwaltung der integrierten Digitaltuner gelingt vorbildlich: 14 verschiedene Sortierfilter, darunter solche für Pro­gramm­anbieter (Bouquet) und HDTV-Kanäle, vereinfachen die Suche nach bestimmten Programmen. Geschmackssache ist die grosse Schrift, nur sieben Sender werden pro Seite angezeigt. Mit der Programmtausch-Taste und der History-Liste kann man schnell zwischen den zuletzt gesehenen Kanälen wechseln. Eigene Listen lassen sich am PC kinderleicht erstellen. Ein weiterer Pluspunkt sind die mit durchschnittlich 1,7 Sekunden schnellen Senderwechsel. Die Möglichkeit, digitale TV-Kanäle auf USB-Festplatte aufzuzeichnen, erhöht den Komfort. Drückt man die Pause-Taste, wird das TV-Programm inklusive Senderwechsel in einem Pufferspeicher aufgezeichnet. Dauerhafte Aufzeichnungen gelingen bequem per Timer und Programmführer.

 

Steuern per Fingerzeig und Handbewegung

Neben der Sprachsteuerung bietet Samsung weitere Extras, die die Bedienung vereinfachen sollen. Dazu gehört die schöne Zweitfern­bedienung, mit der sich neben dem Fernseher auch zahlreiche Blu-ray-Spieler und Settop-Boxen anderer Hersteller steuern lassen. Sie wird hauptsächlich per Touchpad gesteuert. Dessen Steuerfeld reagiert grundsätzlich sehr präzise, auch wenn bei vielen Funktionen die konventionelle Fernbedienung mit ihrem Direktzugriff schneller ist. Unter die Rubrik Spielerei fällt die Steuerung durch Gesten: Mit Hand- und Greifbewegungen, die von der eingebauten Kamera des Fern­sehers erfasst werden, lassen sich verschiedene Funktionen wie etwa der ­Senderwechsel oder der Cursor im Webbrowser steuern – ganz wie in ­Science-Fiction-Filmen. In unserem schwarzen TV-Raum klappte die Gestensteuerung aber trotz heller Beleuchtung nicht; zudem dürfte es auf Dauer ermüdend sein, die Hand ständig in Richtung Kamera zu ­halten. Deutlich bequemer klappt die Bedienung des Webbrowsers mit der drahtlosen Bluetooth-Tastatur und -Maus, die Samsung als Zubehör für den TV anbietet.

 

Der UE55ES8090 wird mit zwei Fernbedienungen ausgeliefert. Mit der kleinen kann man viele Funktionen mittels Touchpad steuern.

 

Sprachsteuerung

Navis und Handys führten das innovative Bedienkonzept ein; Samsung ist nun der erste Hersteller, der die Sprachsteuerung bei Fernsehern einsetzt. Damit der TV reagiert, gilt es zunächst die Sprachsteuerung zu aktivieren. Zur Eingabe muss man sich an ein genaues Schema halten; der Fernseher versteht nur eine begrenzte Anzahl von Befehlen, die sinnigerweise am Bildschirm eingeblendet werden. Um beispielsweise ZDF Kultur auf Programmplatz 203 aufzurufen, muss man „Kanalnummer, Kanal zweihundertdrei“ sagen, da der Fernseher keine Sender­kennungen versteht. Um die Lautstärke zu ändern, gilt es, jede Pegelstufe umständlich einzeln anzusagen („lauter“, „lauter“ . . .) – kein Vergleich zum simplen, konstanten Drücken der Lautstärkewippe. Bei lauter und deutlicher Aussprache klappte die Spracherkennung des Samsung in unserem Praxistest meist akzeptabel. Laut Hersteller wird sie kontinuierlich verbessert. Doch ist die Sprachsteuerung nun sinnvolle Innovation oder Spielerei? Für den durchschnittlichen Nutzer ergibt sich aus unserer Sicht kein Komfortgewinn, weil sich der TV per Fernbedienung ungleich schneller steuern lässt.

 

Bildqualität Fernsehen

Dem tiefschwarzen Hochglanzbildschirm gelingt insbesondere in heller Umgebung ein brillantes, kontrastreiches Bild ohne übermässige Spiegelung. Als optimale Voreinstellung empfiehlt sich bei 2D der AV-Modus Film mit seinen natürlichen Farben. Mit abgeschalteten Rauschfiltern und leicht reduzierter Schärfe kitzelt man die bestmögliche Feinzeichnung aus dem TV-Signal, der Detailgrad bei HDTV-Sendern ist bestens. SD-Sender stellt der Fernseher ebenfalls harmonisch dar, wobei Details wie Hautporen noch knackiger aussehen könnten. Bei SD lässt sich der Bildbeschnitt nicht abschalten. Schnelle Kameraschwenks und Laufschriften gelingen unverwischt, lediglich an schnellen Motiven fallen feine Schatten auf. Film-DVDs, zugespielt mit HDMI 576i, flimmern trotz zwei Filmmode-Filtern gelegentlich; der Schärfegrad ist wie bei TV-Sendern wegen des grossen Bildbeschnitts nicht perfekt. Die hochskalierte Zuspielung hingegen erzeugt optimale Bilder, 4:3-Signale erscheinen dank kompletter Formatumschaltung korrekt. Wichtig ist ein optimaler Blickwinkel, zumal sich der Fuss nicht drehen lässt. Wie bei allen LCD-Fernsehern verringert sich die Bildqualität aus seitlicher Perspektive stark. Der Ton geht in Ordnung: Bei Zimmerlautstärke musiziert der Samsung mit sattem Brustton und passablen Mitten und Höhen, erst bei gehobener Lautstärke verzerren die Bässe.

 

Über je 3 HDMI- und 3 USB-Buchsen nimmt der TV Kontakt auf. Die Evolution-Schnittstelle ist für zukünftige Erweiterungen gedacht.

 

Bildqualität Blu-ray

Feinste Pixelmuster zeigt der TV bei korrekter Schärfeeinstellung ohne Kontrastverlust, Einfärbung oder Saumkanten. Füttert man ihn mit Interlaced-Material (1080/60i), punktet er mit sauberer Vollbild­verarbeitung. Zudem erkennt der Samsung den 24p-Ursprung des Materials und stellt Bewegungen korrekt dar, also ohne 3:2-Pull-down-Ruckeln. Die Bewegungsschärfe ohne Filmglättung ist ordentlich, aber nicht so hoch wie bei Videomaterial. Die Farben überzeugen: Der Samsung erzielt strahlende Grundfarben und natürliche Hauttöne, lediglich dunkelste Farbtöne gleiten leicht ins Cyanfarbene ab. Die Farbtemperatur verläuft äusserst konstant und sehr nah am Ideal von 6500 Kelvin, was vor allem Schwarzweissfilme wie Casablanca perfekt aussehen lässt. Gewisse Schwächen zeigen sich bei Nachtszenen in dunkler Umgebung: Hier wird das fleckige Restlicht sichtbar, und der Im-Bild-Kontrast ist nur mittelmässig. Die zahlreichen düsteren Details in Krabat werden ordentlich durchgezeichnet, das Schwarz gelingt aber nicht so satt wie bei kontraststärkeren Displays. Im Vergleich zum Vorgänger UE55D8090 gelingen Nachtszenen dennoch besser, da sich das Bild am Rand weniger stark aufhellt und kaum mehr einfärbt.

 

3D-Bildqualität

Der Samsung ist der zurzeit hellste 3D-Fernseher mit Shuttertechnik: Im Dynamik-Modus leuchten seine Bilder mit knapp 130 Candela pro Quadratmeter (cd/m²) fast dreimal so hell wie beim Vorgänger. Heimkinotauglich ist das Bild so aber nicht – blaustichige Farben, grelle Kontraste und Saumkanten stören. Reduziert man Kontrast, Farbsättigung und Schärfe und wählt den Farbton Warm 1, strahlt das Bild bei akzepta­blen Farben immer noch mit 90 cd/m². Tageslichtszenen wirken nun kräftig, Details in Nachtszenen sind gut zu erkennen. 3D-Blu-rays zeigt der Samsung mit guter Schärfe. Trotz hoher Bildhelligkeit halten sich Geisterbilder, verursacht durch Übersprechen zwischen linkem und rechtem Teilbild, in engen Grenzen. Nur an kontrastreichen Motiven fallen sie störend auf. Die Bewegungsschärfe ist sehr hoch, wobei 24p-Signale bei deaktivierter Glättungsschaltung in 3D stärker als im Original stottern.

 

 

Normale TV-Bilder versieht der TV auf Wunsch mit einem künstlichen Tiefeneffekt. Effektstärke und Bildplatzierung (vorn/hinten) lassen sich dabei feinstufig regeln. Vor allem bei Rennspielen macht diese Schaltung trotz leichtem Schärfeverlust viel Spass. Die zierlichen Shutterbrillen (Typ SSG-3050GB) funktionieren mit günstigen Knopfzellen (CR 2025), sind nur 31 Gramm leicht und zeichnen sich durch stabilen Sitz aus. Brillenträger bemängeln aber das zu geringe Sichtfeld.

 

Fazit

Der Samsung punktet im TV-Alltag mit komfortabler Bedienung und vielen Multimedia-Spielereien. Heimcineasten begeistert er mit hoher Lichtleistung im 3D-Betrieb sowie hoher Farbtreue und vielen Einstellmöglichkeiten. Für den Aufstieg in die absolute TV-Top-Liga fehlen ihm nur noch ein höherer Kontrast und ein homogeneres Schwarz.

 

 

Weitere Infos im Web:

http://www.samsung.ch
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